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Interview: Eduardo García, Peru

Ana Chereque, Präsidentin der Asociación Esclerosis Múltiple Perú (ESMUP), interviewt Eduardo García, der als Teil seiner MS-Erkrankung an Ataxie und Tremor leidet.

F Herr García, erzählen Sie uns doch bitte einmal kurz etwas über Ihr Leben.
A. Mein Name ist Eduardo García und mein Spitzname Lalo. Ich bin aus Peru und 57 Jahre alt. Mein ganzes Leben lang bin ich eine aktive Person gewesen. Ich bin Polizist und im Dienste der Öffentlichkeit viel im Land herumgereist. Ich bin verheiratet und meine drei erwachsenen Kinder beenden gerade ihr Universitätsstudium. Ich habe viele schöne Erinnerungen an meine Jugendzeit. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe mich auch eine Weile als Fischer verdingt.

F. Bitte teilen Sie uns doch mit, wie lange Sie schon an MS erkrankt sind und welche Symptome bei Ihnen hauptsächlich auftreten.

A. 2007 wurde bei mir Multiple Sklerose diagnostiziert. Einzelne Symptome dieser Krankheit traten jedoch mindestens schon sechs Jahre vorher auf. Ich habe nicht groß darauf geachtet, da ich davon überzeugt war, dass das eine vorübergehende Geschichte wäre. Zunächst verlor ich das Gefühl in meinen Beinen und ich konnte nicht mehr laufen. Danach verlor ich die Kontrolle über meine Blase und ich hatte sogar Probleme, mich klar und deutlich zu artikulieren. Jetzt sind meine größten Probleme die der Koordination und Kraft in den Beinen; der Tremor in meinem Kopf und sogar in meinen Augen. Ich kann nicht mehr lesen, was ich immer gerne gemacht habe. Dazu kommen Balance-Probleme, die mich dazu zwingen, mich mit einer Gehhilfe fortzubewegen.

F. Wie würden Sie Ataxie und Tremor beschreiben? Haben die sich im Laufe der Zeit irgendwie verändert?

A. Es ist schon ein seltsames Gefühl, meine Bewegungen nicht mehr kontrollieren zu können. Die Ataxie engt mich sehr ein und ich habe oft das Gefühl, dass ich so gar nichts tun kann, um sie in Schach zu halten, sie bestimmt mein Leben. Der Tremor bedeutet, dass ich weder lesen noch fernsehen kann. Obwohl meine Diagnose erst vor kurzem erstellt wurde, wurden die Symptome immer augenfälliger und haben sich in den vergangenen Monaten noch verschlimmert.

F. Nehmen Sie spezielle Medikamente für die Ataxie und den Tremor ein?

A. Ja, aber das hat nicht geholfen, also habe ich damit aufgehört. Ich verwende jetzt eine Halskrause, um den Kopftremor zu mildern. Aber für meine Geh- und anderen Bewegungsprobleme habe ich noch nichts gefunden, was mir hilft.

F. Gehen Sie wegen der Ataxie und dem Tremor zur Physiotherapie?

A. Ja, ich gehe zwei Mal wöchentlich zur Behandlung. Ich mache Übungen, die meine Koordination und die Kraft in meinen Beinen verbessern sollen, damit ich besser laufen kann. Trotz der Schwierigkeiten bin ich tatsächlich im Moment in der Lage, mit einer Gehhilfe zu laufen. Für den Tremor habe ich noch keine spezifische Behandlung gefunden.

F. Verhindern Ihre Ataxie und der Tremor, dass Sie das, was Sie tun möchten oder müssen, im Alltag nicht mehr ausführen können?

A. Ja, natürlich. Bevor ich diese Probleme hatte, war ich eine selbstständige Person, ein Arbeiter, Sportler, jemand mit einem normalen Leben, der sich seinen Lieblingshobbies gewidmet hat. Mein Sexualleben war aktiv, wie das jedes Mannes in meinem Alter. Jetzt ist alles anders geworden. Ich brauche bei alltäglichen Bewegungen Hilfe, ja, sogar meine Schuhe kann ich mir nicht mehr alleine anziehen. Meine Symptome stellen schon eine schwere Herausforderung dar und deshalb hat sich mein Leben auch grundlegend geändert. Ich bin oft frustriert, wenn sogar einfache Dinge mir nicht mehr gelingen.

F. Was hilft Ihnen dabei, mit der Herausforderung Ataxie und Tremor umzugehen?

A. Die Ermutigungen und die positive Energie, die andere Menschen mir vermitteln, sorgen dafür, dass ich nicht aufgebe. Meine Gefühle von Frustration haben sich geändert, seitdem ich der ESMUP (MS-Gesellschaft Peru) beigetreten bin. Hier habe ich die Unterstützung gefunden, die ich brauche. Ich kann über meine Gefühle und meine Erfahrungen mit anderen sprechen, die an derselben Krankheit erkrankt sind. Durch die Workshops, die psychologische Unterstützung bei der ESMUP anbieten, habe ich gelernt, die Veränderung zu akzeptieren und meinen Alltag an MS anzupassen. ich gehe zwei Mal in der Woche zur ESMUP. Dadurch komme ich aus dem Haus und habe einen Tapetenwechsel. Zuhause bin ich fast immer alleine.

F. Erhalten Sie Unterstützung von Ihrem Gesundheitssystem?

A. Die peruanische Sozialversicherungsabteilung hilft mir. Sie haben viele verwaltungstechnische Probleme, aber ich erhalte die Medizin, die ich benötige, um meine Symptome zu erleichtern, und, wenn es erforderlich ist, dass ich zur Kortisonbehandlung ins Krankenhaus gehe, dann helfen sie mir ebenfalls.