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Weiterarbeiten: berufliche Rehabilitation

Von Phillip D. Rumrill Jr., Kent-State- Universität, Zentrum für Studien zu Behinderung, Kent, Ohio, USA

Menschen mit MS können in den Gesellschaften, in denen sie leben, wertvolle Arbeit leisten. Sie sind oft gut ausgebildete und qualifizierte Arbeitskräfte und verfügen über eingehende Berufserfahrung, was nicht überraschend ist, da sich MS normalerweise im frühen bis mittleren Erwachsenenalter manifestiert (nachdem die Betroffenen ihr Berufsleben begonnen und in vielen Fällen schon Karriere gemacht haben). Zu oft jedoch ziehen sich diese hoch qualifizierten, produktiven und erfahrenen Arbeitskräfte kurz nach der Diagnose von MS aus dem Berufsleben zurück, gewöhnlich auf ihren eigenen Wunsch hin, und meistens bevor die Krankheit zur Arbeitsunfähigkeit führt.

Die Experten wissen nicht genau, warum sich so viele Menschen mit MS vorzeitig aus dem Berufsleben zurückziehen, aber zu den am häufigsten genannten Hindernissen für die weitere Berufsausübung bei Menschen mit MS gehört das Problem der Beförderung zur Arbeit und von der Arbeit nach Hause, die Schwierigkeiten, entsprechende Umgestaltungen des Arbeitsplatzes zu erreichen, fehlendes Wissen über Hilfstechnologien, ungenügendes Bewusstsein über die Arbeitsproblematik seitens der behandelnden Ärzte, Entmutigung im Rahmen öffentlicher Hilfsprogramme zu arbeiten, der unberechenbare und manchmal progressive Charakter von MS und die Benachteiligung durch den Arbeitgeber.

Studien über MS-Patienten zeigen, dass folgende Gruppen mit der höchsten Wahrscheinlichkeit über längere Zeit im Beruf aktiv bleiben: Männer im allgemeinen, Menschen mit höherem Bildungsniveau, Menschen, die keine kognitiven Beeinträchtigungen erleben, Menschen, deren Arbeit wenig physische Anstrengung erfordert oder die bei ihrer Arbeit keiner Wärme ausgesetzt sind, leitende Angestellte oder Fachpersonal und diejenigen, deren Arbeitgeber eine offizielle Personalpolitik im Umgang mit behinderten Menschen verfolgen..

Die berufliche Rehabilitation bietet für Menschen mit MS ein Hilfsmittel dazu, ihren beruflichen Werdegang umzugestalten und so lange weiterzuarbeiten, wie sie es möchten. Das Ziel der beruflichen Rehabilitation besteht darin, Dienstleistungen, Unterstützung und Training zu bieten, das den Menschen mit Behinderungen ermöglicht, Arbeitsplätze, welche mit ihren Interessen, Fähigkeiten und Erfahrungen kompatibel sind, zu bekommen, zu behalten und in diesen erfolgreich zu sein. Ein frühes Vorgehen ist dabei besonders wichtig. Bei Menschen mit MS besteht die Hilfe häufig in eine Unterstützung dahingehend, den Arbeitsplatz zu behalten, da die meisten Menschen mit MS zum Zeitpunkt der Diagnose einer Beschäftigung nachgehen. Unterstützung beim Wiedereinstieg in das

Berufsleben sowie Hilfe bei der Arbeitssuche und Berufsberatung wird Menschen mit MS angeboten, nachdem sie sich aus dem Berufsleben zurückgezogen haben, aber nun wieder einsteigen möchten. Die Hilfestellungen zum Erhalten des Arbeitsplatzes und zum Wiedereinstieg in das Berufsleben umfassen eine eingehende Bewertung der beruflichen Interessen und Fähigkeiten, die Festlegung und Umsetzung von Arbeitsplatzumgestaltungen, die Unterrichtung in der Verwendung von Hilfstechnologien, Übungen zur Selbstbestimmung und Rücksprache mit den Arbeitgebern in vielen verschiedenen Bereichen in Bezug auf die Behinderung.

Die berufliche Rehabilitation ist eine interdisziplinäres Unternehmung, die das Fachwissen von Experten aus der Medizin, aus Heilhilfsberufen, Psychologie, Beratung, Sozialarbeit, Technik, Technologie, Personalentwicklung und Recht miteinander verbindet. Die Person mit MS spielt eine herausragende Rolle, da alle Entscheidungen in Bezug auf die Dienstleistungen gemäß den von ihr angegebenen Zielen und Neigungen getroffen werden. Zu den Grundsätzen der beruflichen Rehabilitation gehören, (a) die Wahrung der Würde, (b) dass es für die Menschen immer noch besser ist, außerhalb des Betriebes tätig zu sein als gar nicht zu arbeiten und (c) dass eine Behinderung an sich niemanden davon abhalten sollte zu arbeiten, wenn er oder sie es möchte. Alle verfügbaren Untersuchungen weisen darauf hin, dass der Ausbruch von MS oder einer anderen chronischen Erkrankung nur selten die beruflichen Interessen beeinträchtigt, das heißt den Bereich, indem man arbeiten möchte.

MS kann die Fähigkeiten einer Person in bestimmten Bereichen beeinträchtigen. In diesem Fall hat die Veränderung der Arbeit, an die der Patient gewöhnt ist, oder das Finden eines neuen Arbeitsplatzes, der seiner gewohnten Tätigkeit ähnlich ist, Vorrang. Oft wird diese Veränderung oder dieser Arbeitsplatzwechsel durch die Durchführung von Arbeitsplatzumgestaltungen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber erreicht.

Zu den Umgestaltungsmöglichkeiten des Arbeitsplatzes, die sich bei Menschen mit MS als sinnvoll erwiesen haben, um ihnen das Weiterarbeiten zu erleichtern, gehören Änderungen der Arbeitszeiten (die häufigste Form der Umgestaltung von Arbeitsplätzen, die für Menschen mit MS durchgeführt wird), Gedächtnishilfen, um gegen kognitive Beeinträchtigungen zu kämpfen, motorisierte Tretroller zur Verringerung der Erschöpfung und zur Verbesserung der Mobilität, Klimaregelung am Arbeitsplatz, Sehhilfen (z. B. Vergrößerungsgeräte, Software zur Sprachausgabe), gut zugängliche Parkplätze, Gebäudeumbauten für Rollstuhlzugang, Kühlwesten, ergonomische Tastaturen, sprachgesteuerte Computerprogramme und Telearbeit oder Heimarbeit. In einigen Ländern muss der Arbeitgeber für erforderliche Umgestaltungen aufkommen.
In anderen Ländern übernehmen Behörden und manchmal die Mitarbeiter selbst die Kosten dafür.

Unabhängig von dem Land, in dem man lebt, ist es wichtig, den Rechtsschutz für Arbeitnehmer mit Behinderungen, die verfügbaren gemeinnützigen Dienste und die finanziellen und anderweitigen Hilfen, die das Weiterarbeiten erleichtern können, zu kennen. Dies ist ein entscheidender Faktor für den langfristigen beruflichen Erfolg einer Person mit MS. Noch wichtiger ist es, eine aktive und effektive Symptomkontrolle durchzuführen, die Veränderungen des Gesundheitszustandes und der Arbeitsleistung zu erkennen, Lösungen für Probleme in der Arbeit in Zusammenhang mit der Behinderung zu finden und sich gegenüber dem Arbeitgeber durchzusetzen, damit diese Lösungen umgesetzt werden. Dies sind die besten Mittel gegen den negativen Einfluss, den MS auf die berufliche Laufbahn eines Menschen haben kann und allzu oft hat.