Häufig gestellte Fragen

Leserfragen an unseren Gastautoren, Dr. Allan Bowling

F. In meiner MS-Gruppe scheint jeder Gingko Biloba einzunehmen und alle behaupten, dass es Ihnen hilft, sich besser zu konzentrieren und zu erinnern. Stimmt das? Kann das auch bei MS- Schüben helfen?
A. Kleinere, vorläufige Studien in Bezug auf die Verabreichung von Ginkgo Biloba bei Menschen mit MS weisen darauf hin, dass es vorteilhaft bei kognitiven Schwierigkeiten und Erschöpfung zu sein scheint. Diese Ergebnisse sind jedoch noch nicht verifiziert worden, dafür sind umfangreichere und rigoroser durchgeführte Studien erforderlich. Es gibt noch keine Studien, die bewertet hätten, ob Ginkgo Biloba einem MS-Schub vorbeugt. Man sollte aber unbedingt beachten, dass es bei der Einnahme von Gingko Biloba zu Nebenwirkungen wie Blutungen und Anfällen kommen kann.

F. Ich habe gehört, dass hyperbarer Sauerstoff bei schweren Verbrennungen eingesetzt wird. Kann er auch bei MS helfen?
A. 1983 wurde in einer Studie davon berichtet, dass hyperbarer Sauerstoff (HBO) positive Auswirkungen bei Menschen mit MS hat. Mehrere nachfolgende Studien haben jedoch keinerlei Beweis dafür erbracht, dass HBO therapeutische Auswirkungen auf die MS hat. Zwei voneinander unabhängige Rezensionen aller HBO und MS-Studien haben erbracht, dass diese Behandlungsform keine konsistenten therapeutischen Auswirkungen auf die MS hat.

F. Ich scheine immer einen MS-Schub zu haben, wenn ich schwer erkältet bin. Ein Freund hat mir Echinacea empfohlen, damit die Erkältung nicht so lange anhält. Ich habe aber auch gelesen, dass Menschen mit MS kein Echinacea einnehmen sollen, insbesondere, wenn sie mit Interferon behandelt werden. Kann ich, da ich mit Copaxone behandelt werden, das nächste Mal, wenn ich erkältet bin Echinacea einnehmen?
A. Die Bedenken in Bezug auf die Einnahme von Echinacea bei MS bestehen darin, dass wie viele andere Ergänzungsmittel, die die Schwere oder Länge einer normalen Erkältung verkürzen, sie gleichzeitig das Immunsystem aktivieren könnten. Daher birgt die Einnahme solcher Mittel ein theoretisches Risiko, die MS zu verschlimmern oder die therapeutische Wirkung von MS-Medikamenten, wie z. B. Glatirameracetat (Copaxone®) und Interferone (Avonex®, Betaseron® Rebif®) abzuschwächen.

F. Man sagt uns immer, dass wir keine alternativen Behandlungsmethoden ausprobieren sollen, für deren Wirksamkeit
es keinen Beweis gibt. Aber den gibt es ja offensichtlich nur für ganz wenige dieser Methoden. Warum gibt es nicht mehr
Studien, die die Wirksamkeit von alternativen Behandlungsmethoden für MS beweisen oder widerlegen?
A. Viele der klinischen Studien für MS (und andere Erkrankungen) werden von Pharmakonzernen finanziert, die ultimativ hoffen, ein patentierbares, profitables Produkt zu entwickeln. Die meisten der alternativen Behandlungsmethoden sind aber nicht patentierbar und deshalb besteht einfach weniger Interesse daran, diese Art von Studien zu finanzieren. In den vergangenen fünf bis zehn Jahren haben jedoch die Gesundheitsbehörden und die Nationale MS-Gesellschaft in den Vereinigten Staaten sowie mehrere andere MS- und medizinische Forschungsorganisationen weltweit mehr Gelder für die Finanzierung von Studien über alternative Behandlungsformen bereitgestellt.

F. Ich leide häufig an einer Infektion der Harnwege. Sollte ich Cranberrysaft erst dann trinken wenn ich die Infektion habe oder besser regelmäßig als Vorbeugung?
A. Cranberrys können gut sein, um einer Infektion der Harnwege vorzubeugen, aber sie sind nicht wirksam und sollten nicht eingesetzt werden, um eine Infektion der Harnwege zu behandeln. Die einzigen Behandlungsmethoden, die bei einer Infektion der Harnwege wirksam sind, sind Antibiotika. Cranberrys werden normalerweise gut vertragen.