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Interview mit Jorge Rosquillas

Wann wurde bei Ihnen MS diagnostiziert?

Im April 1981

Was war die größte Veränderung in Ihrer Lebensweise, die Sie durch die MS hinnehmen mussten?

Das ging schrittweise vor sich. Begonnen hat es damit, dass mich die Schwäche in meiner rechten Körperhälfte zu einem Krankenhausaufenthalt gezwungen und anschließend drei Monate daran gehindert hat, auf Arbeit zu gehen. Nach meiner Genesung normalisierte sich mein Leben wieder, obwohl das Kribbeln in meinen Armen und Beinen nie so richtig aufgehört hat, aber ich versuchte, mir keine Sorgen zu machen. Damals war noch nicht der Zeitpunkt gekommen, meine Lebensweise grundlegend zu ändern. Allerdings verschob ich meine Pläne, eine Praxis in einem großen Krankenhaus zu eröffnen; auch meine Pläne eines Graduiertenstudiums in pädiatrischer Onkologie verschob ich.

Meine Frau Gilde und ich sind zusammen mit unseren beiden Söhnen Jordi and Dirk in eine kleine Stadt gezogen, wo ich als Landkinderarzt zu arbeiten begann. 1988 ließ die Sehkraft meines linken Auges rapide nach. Ich musste das Autofahren aufgeben, setzte meine Arbeit jedoch mithilfe meiner anderen Sinnesorgane fort. Ich entwickelte eine ausgezeichnete Beobachtungsfähigkeit, indem ich der Stimme, dem Profil, den Bewegungen der Menschen besondere Aufmerksamkeit schenkte und stets in Richtung ihrer Augen sah.

Zurzeit verspüre ich eine stark einschränkende Erschöpfung und versuche daher, meine Energiereserven gleichmäßig so zu verteilen, dass ich meine Arbeit fortsetzen kann.

Hat sich die MS negativ auf Ihre Arbeit ausgewirkt? Wenn ja, wie haben Sie sich angepasst, wie sind Sie damit klargekommen?

Die MS war meiner Arbeit als Kinderarzt nicht abträglich. Ich führte meine Praxis fort und hielt meine Zulassung mit der Mexican Paediatrician Society auf dem aktuellen Stand. Mit nachlassender Sehkraft wurden einige Veränderungen nötig, aber ich musste nie meine Praxis aufgeben. Gilde nahm sich an der Spezialschule, wo sie arbeitete, eine Auszeit, um meine Arbeit in der Facharztpraxis zu unterstützen. In Teamarbeit waren wir den Anforderungen einer Arztpraxis gewachsen.

Haben Sie Ihren Speiseplan durch die Erkrankung verändert?

Ich habe an meinem Speiseplan nichts verändert, bemühe mich allerdings um ein gesundes Gleichgewicht aus viel Obst, Gemüse, Körnern, Sonnenblumenöl, viel Geflügel und Fisch und in Maßen rotes Fleisch.

Haben sich Ihre körperlichen Aktivitäten seit Aufstellung der MS-Diagnose verändert? Wenn ja, haben Sie befriedigende Alternativen gefunden?

Die MS hat meine körperlichen Aktivitäten beeinflusst. Ich war gerne zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs; heute komme ich kaum 200 Meter weit, ohne dass die Erschöpfung einsetzt, Fahrrad kann ich gar nicht mehr fahren. Ich habe dieser Aktivitäten erfolgreich durch Lesen, Fernsehen und Musikhören ersetzt.

Hat die MS Ihre Lebensanschauungen beeinflusst? Wenn ja, inwiefern?

Die MS hat meine Lebensanschauungen nicht verändert. Ich habe mir eine Haltung angeeignet, MS als eine Lebensform zu verstehen, nicht als Krankheit. Jeder Mensch hat seine Grenzen; wichtig ist, diese zu erkennen und sich nicht an ein bestimmtes Ziel zu klammern. Jeder sollte einen „Plan B“ bereithalten. Für mich bedeutete die MS den Unterschied zwischen der extrem Zeit konsumierenden Karriere eines abwesenden Vaters und einem integrierten, gesunden und glücklichen Familienleben. Ich werde nie wissen, wie es ohne MS gekommen wäre, und ich will meine Aufmerksamkeit lieber dem schenken, was aus meinem Leben hier und jetzt geworden ist; ich finde, es ist etwas sehr gutes daraus geworden. Meine Lebensanschauungen wären ohne MS sicher keine anderen gewesen.

Praktizieren Sie bestimmte Wellness- Strategien, um gesund zu bleiben? (z .B. Meditation, Wochenendausflüge, Hobbys etc).

Mein Leben dreht sich um meine Familie, meine Frau und meine Söhne. Gilde und ich arbeiten nach wie vor und schöpfen dabei 100 Prozent unseres Potentials aus. Ich finde, Beschäftigung ist die beste Therapie, um in Form zu bleiben, mental und physisch.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Punkte, die man beachten sollte, um bei MS- Erkrankung ein gesundes Leben zu führen?

Ich finde, es ist wirklich wichtig, optimistisch zu bleiben und sich nicht Pessimismus und Frustration hinzugeben. Ich setze mir in meinem Leben immer wieder neue Ziele und merke vor allem, dass es das Leben gut mit mir meint. Ich lache viel und nehme die Dinge, wie sie kommen.