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Häufig gestellte Fragen

Von Pablo Villoslada, Neurologe, Hospital Clinic Barcelona, Spanien

F. Ich möchte an einer klinischen Studie für neue Medikamente teilnehmen. Wie kann ich eine qualitativ hochwertige Studie finden, an der ich teilnehmen kann?
A. Wenn Sie Ihre MS von einem Neurologen behandeln lassen, der in einer spezialisierten MS-Klinik oder einem MS-Zentrum tätig ist, dann wäre Ihr Arzt oder der klinische Koordinator Ihr erster Ansprechpartner im MS-Zentrum. Viele MS-Zentren sind an der Durchführung von Studien für neue Behandlungsmethoden für MS beteiligt und können Sie über die beste Option informieren.

Wenn Sie keinem MS-Zentrum/Klinik angeschlossen sind, dann kann Ihr Arzt Ihnen eventuell Informationen über MS-Studien in Ihrer Umgebung vermitteln. Ihre MS-Gesellschaft verfügt eventuell ebenfalls über entsprechende Informationen.

Auf den Webseiten anderer MS-Organisationen, darunter auch der MSIF (http://www. msif.org/en/research/index.html) oder der Nationalen US MS-Gesellschaft (http://www. nationalmssociety.org/research/clinical-trials/index.aspx) finden Sie Informationen über neue Behandlungsformen, die derzeit getestet werden. Letztere bietet auch eine aktualisierte Liste aller neuen Behandlungsformen, die aktuell entwickelt werden. Die offizielle Webseite für klinische Studien aller Art ist http:// www.clinicaltrials.gov/. Dies ist eine Quelle der US-Regierung und alle klinischen Studien müssen auf dieser Webseite veröffentlicht werden. Dort finden Sie entsprechende Studien, indem Sie nach einem bestimmten Medikament, einem Zentrum, usw. suchen. Setzen Sie sich mit dem Koordinator in Verbindung und bitten Sie Ihn darum, Ihnen mitzuteilen, welches Zentrum in Ihrem Land an der Studie, die Sie interessiert, teilnimmt. Eine Rezension dieser Webseite finden Sie auf Seite 27.

F. Ich lese sehr viel über aktuelle Forschungsarbeiten, aber ich finde sehr wenig über primär progrediente MS, an der ich leide. Warum ist das so?
A. In den vergangenen Jahren ist das Wissen über die entzündlichen Aspekteder MS entscheidend gewachsen und es sind viele neue Behandlungsmethoden/Medikamente entwickelt worden, die darauf abzielen, der Entzündung Einhalt zu gebieten. Über die biologische Grundlage der progredienten Phase der MS weiß man bisher jedoch noch wenig und deshalb gibt es auch noch wenig Möglichkeiten, neue Behandlungsformen/Medikamente für diese Patientengruppe zu entwickeln, darunter auch Personen mit primär progredienter MS. Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, dass es sehr schwierig, aber möglich ist, die Wirksamkeit eines Medikamentes bei schubförmiger MS nachzuweisen, indem man Hunderte von Patienten über 2 Jahre beobachtet und MRT für die Überwachung der Medikamentenwirkung einsetzt. Die progrediente Phase der MS ist jedoch sehr langsam und heterogen und es gibt keine guten MRT-Marker, um festzustellen, wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt. Selbst eine zweijährige Beobachtungsphase ist dann nur ein kurzer Zeitraum. Diese Einschränkung behindert auch das Testen neuer Medikamente für primär progrediente MS. Dieser letzte Punkt wird über die potenzielle Entwicklung von Biomarkern untersucht, zum Beispiel Bluttests oder neue MRT-Techniken, die es den Ärzten ermöglichen, den Krankheitsverlauf und die Wirksamkeit der Behandlung zu überwachen. Trotz dieser Schwierigkeiten besteht ein Interesse daran, neue Behandlungsformen für primär progrediente MS zu entwickeln und hoffentlich können wir in der Zukunft von neuen Fortschritten berichten.

F. Ist es realistisch an ein Heilmittel für MS zu glauben?
A. Die Heilung der MS wird ein umfassendes Verständnis der biologischen Grundlagen dieser Erkrankung erfordern und danach die Identifikation eines oder mehrerer prädisponierender Faktoren , die geändert werden könnten. Das wird eine Weile dauern, aber die Forschung geht immer mehr in diese Richtung. Realistischer ist es wohl anzunehmen, dass wir die MS aufhalten können. Bei vielen komplexen Erkrankungen, wie Krebs, AIDS und Gelenkrheumatismus kann die Krankheit noch nicht geheilt, dafür aber effizient kontrolliert werden und der Grad der damit eingehenden Behinderung gemindert werden. Mit der Entwicklung neuer MS-Medikamente wird ein hoher Prozentsatz von Personen für einen längeren Zeitraum stabil bleiben. Darüber hinaus wird es einen entscheidenden EinflussaufdieLebensqualitätder MS-Erkranktenhaben,der Unsicherheit, ob die Erkrankung fortschreiten wird oder nicht, Einhalt gebieten zu können.