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Extreme bei MS: Benigne und aggressive Formen

Lisa Costelloe, Abteilung für Neurologie am Beaumont Krankenhaus in Dublin, Irland
Obwohl die meisten Menschen mit MS zunächst an der schubförmig remittierenden MS leiden (siehe Seite 7) und im späteren Verlauf in die sekundär progrediente Phase (siehe Seite 13) eintreten, verläuft die Krankheit bei einem geringen Prozentsatz der Betroffenen milder als bei anderen. Wir sprechen dann von einer milden (auch: ‘benignen’) Form der MS. Ein weiterer geringer Prozentsatz leidet von Anfang an einer aggressiveren Form der MS.

Milde, oder auch benigne MS

Einige Menschen leben viele Jahre mit MS, ohne dass diese ihr Leben wesentlich beeinträchtigt. Diese Gruppe leidet an der so genannten benignen MS. Diese tritt Studienergebnissen zufolge bei etwa 5% bis 40% aller Betroffenen auf. Es handelt sich dabei um die mildeste Form der MS, die klinisch nachweisbar ist. Personen mit benigner MS weisen auch zehn oder mehr Jahre nach Ausbruch der Krankheit nur wenige körperliche Behinderungen auf.

Die klinischen Vorhersagefaktoren eines benignen Krankheitsverlaufs weichen voneinander ab, aber verschiedene Studien haben gezeigt, dass das weibliche Geschlecht, ein jüngeres Alter bei Ausbruch der Erkrankung und wenig Behinderungen zu Beginn des Krankheitsverlaufes langfristig eher auf einen benignen Verlauf hindeuten.

Anomalien auf konventionellen MRT-Aufnahmen korrelieren nicht unbedingt mit der Behinderung und Menschen mit benigner MS haben unter Umständen eine große Anzahl von Läsionen auf dem MRT-Scan, obwohl sie relativ wenig klinische Anzeichen aufweisen.

Es wäre ausgesprochen wichtig, die benigne MS rechtzeitig diagnostizieren zu können, damit man entscheiden kann, wer krankheitsverzögernde Medikamente einnehmen muss und wer nicht. Die benigne MS kann allerdings im Moment noch nicht bei Ausbruch der Krankheit diagnostiziert werden, sondern wird erst im Laufe der Zeit offensichtlich. Eine Langzeitstudie hat ergeben, dass viele Menschen mit benigner MS später einen progressiven Krankheitsverlauf entwickeln. Deshalb kann es auch irreführend sein, jemanden zu früh mit benigner MS zu diagnostizieren.

Aggressive MS (MS vom Typ Marburg)

Diese MS-Variante wurde 1906 von Otto Marburg beschrieben und kommt zum Glück nur sehr selten vor. Es handelt sich dabei um eine aggressive Form der MS, die von einer schnellen Zunahme der Behinderung und dem Eintreten des Todes innerhalb von wenigen Monaten bis hin zu einem Jahr nach Auftreten der ersten Symptome gekennzeichnet ist. Diese Art von MS reagiert kaum auf die MS-üblichen Behandlungsformen, obwohl einigen Berichten zufolge in Einzelfällen Erfolge mit Mitoxantron erreicht wurden.

Das Devic-Syndrom, auch als Neuromyelitis optica (NMO) bekannt, ist eine seltene Krankheit, die in vieler Hinsicht der MS nicht unähnlich ist.

Wie bei MS greift das Immunsystem des Körpers das Myelin an, das die Nervenzellen umgibt. Die Symptome ähneln denen von MS-Kranken, obwohl sie hauptsächlich mit transversaler Myelitis und optischer Neuritis in Verbindung gebracht werden. Bis dato gibt es noch keine Heilung für das Devic- Syndrom. Die Symptome können jedoch behandelt und Kortikosteroide verabreicht werden.