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MS und warum es oft schwierig ist, den Arbeitsplatz zu behalten

Sarah Westlake, Herausgeberin der Webseite Worklife (www.yourworkheath.com), MS Gesellschaft Großbritannien

Trotz der geltenden Gesetzgebung in vielen Ländern, die Menschen mit MS schützt, werden diesen Menschen Knüppel zwischen die Beine geworfen, wenn sie versuchen, Arbeit zu finden, oder wenn sie an dem aktuellen Arbeitsplatz weiter tätig sein möchten. Das Leben mit den Auswirkungen von MS kann die Arbeit an sich erschweren, aber es gibt Mittel und Wege, einige der Barrieren zu überwinden.

MS-Symptome

Insbesondere der veränderliche Charakter der MS erschwert die Suche nach einem Arbeitsplatz bzw. dessen Beibehalten. Es ist nicht einfach, sich zu Schichtarbeit oder Vollzeitarbeit zu verpflichten, wenn man nicht weiß, wie man sich morgen oder nächste Woche fühlen wird.

MS hat je nach Person unterschiedliche Symptome, aber die Erschöpfung ist einer der am häufigsten genannten Gründe, warum Menschen mit MS ihren Arbeitsplatz aufgeben. Erschöpfung ist meist schwer zu behandeln und ein „unsichtbares” Symptom. Deshalb wird sie oft missverstanden. Es gibt viele andere Symptome, die sich auf die Arbeit auswirken können, wie Sehbehinderungen, Gleichgewichtsstörungen, Schmerzen, Tremor, Probleme in Bezug auf das Erinnerungs- und Denkvermögen, Inkontinenzprobleme und die Nebenwirkungen einzelner Medikamente. Diese Symptome führen manchmal auch dazu, dass jemand bei der Arbeitssuche nicht selbstsicher genug auftritt.

Bei einem Rückfall während der Arbeitszeit kann es zu einer Reihe von Problemen kommen. Man fragt sich zum Beispiel, wie oft man sich krank melden darf oder ob man sich für den Arztbesuch freistellen lassen kann. Wenn jemand längere Zeit krankgeschrieben ist, kann es zu Einsamkeitsgefühlen kommen und die Angst wächst, dass der Arbeitsplatz unter Umständen nicht sicher ist. Bei der Rückkehr zur Arbeit wartet unter Umständen ein großer Berg aufgelaufener Arbeit auf Sie oder Sie sind nicht über Veränderungen informiert worden, die während Ihrer Abwesenheit eingeführt wurden. Das kann zusätzlichen Stress verursachen. Es kann auch zu einem Verlust des Selbstvertrauens oder zu anderen Problemen kommen, die das Arbeitsverhältnis behindern.

Arbeitsumgebung

Für einen Menschen mit MS kann es irgendwann zu einem Punkt kommen, wo er seine aktuelle Position nicht mehr ausfüllen kann, weil das Arbeitsumfeld das nicht mehr zulässt. So kann es zum Beispiel sein, dass ein Arbeitsplatz für einen Rollstuhl oder eine Person mit Gehbehinderungen nicht zugänglich ist. Für einige Menschen mit MS ist das Büro zu heiß oder – bei einem Arbeitsplatz unter freiem Himmel – das warme Wetter unerträglich. Selbst der Weg zur Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder das Fahren eines eigenen Wagens könnte zu einer echten Herausforderung werden.

Die Wahrnehmung von Seiten der Öffentlichkeit

Die Allgemeinheit kann manchmal sehr ignorant sein, wenn es um MS oder darum geht, wie die Erkrankung den Arbeitsplatz beeinflusst. Das kann dazu führen, dass ein Arbeitgeber jemanden mit MS nicht einstellen möchte und dabei oft andere Gründe angibt, warum er/sie den-/diejenige/n nicht einstellen oder befördern möchte.

Meist fehlt es den Arbeitgebern schlichtweg an Information über MS und was sie tun können, um die betroffenen Mitarbeiter zu unterstützen. Oft finden solche Gespräche erst statt, wenn die Erkrankung des Mitarbeiters die Arbeit bereits beeinträchtigt, oder es bei der Arbeit zu Problemen kommt. Dies wiederum hebt hervor, wie wichtig es ist, die Arbeitgeber umfassend zu informieren. In einigen Ländern können Ärzte oder MS Gesellschaften Menschen mit MS die entsprechenden Informationen für ihren Arbeitgeber zur Verfügung stellen.

Aber es ist nicht immer einfach, den anderen von MS zu erzählen. Manche Menschen entscheiden sich dafür, nichts zu sagen, bis es unumgänglich wird, weil sie sich Sorgen darüber machen, wie
der andere reagieren wird. Wird er anfangen, Sie anders zu behandeln oder Angst haben, dass er sich falsch ausdrückt? Das kann das Verhältnis zwischen der Person mit MS und den Menschen, mit denen sie arbeitet, belasten. In Bezug auf MS kursieren immer noch viele unterschiedliche Gerüchte und einige Personen sind der Meinung, dass es nicht ihre Aufgabe ist, die anderen zu
„erziehen”.

Wenn ein Arbeitgeber oder die Kollegen nicht wissen, dass eine Person MS hat, dann interpretieren sie die Symptome unter Umständen falsch. So wird dann zum Beispiel angenommen, dass eine Gleichgewichtsstörung auf Alkoholprobleme zurückzuführen ist. Es ist nicht einfach, den Kollegen zu erklären, was MS ist. Der schubförmig-remittierende Charakter und viele Symptome, wie zum Beispiel Erschöpfung, sind nicht offensichtlich und können dazu führen, dass man der Meinung ist, die Symptome würden nur vorgegeben. Eine offene Art der Kommunikation und Erklärungen sind ein probates Mittel, um falsche Vorstellungen aufzuklären.

Das Überwinden von Hindernissen

Natürlich ist es nicht einfach, Arbeit für Menschen mit MS zu finden oder deren Arbeitsplatz zu sichern. Gerade deshalb ist es so wichtig, alle verfügbaren
Optionen mit einzubeziehen. Darunter fallen zum Beispiel Modelle, bei denen dieselbe Tätigkeit ausgeführt und gleichzeitig Veränderungen am Arbeitsplatz vorgenommen werden, damit dieser zugänglicher wird, Veränderungen an der
Arbeitsweise, Arbeitsplatz- oder Aufgabenwechsel oder der Einsatz von verfügbaren Initiativen, um den Erhalt des Arbeitsplatzes zu sichern. Diese Hindernisse müssen einen Menschen mit MS nicht daran hindern, seine/ihre Arbeit weiter auszuführen, wenn er/sie das möchte.