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MS beim Arbeitgeber angeben

Deanna Groetzinger, Vizepräsidentin der Abteilung für Regierungsangelegenheiten und Gesetzgebung der MS Gesellschaft Kanada

„Werde ich weiter arbeiten können?” – Das ist eine der häufigsten Fragen, sobald ein Mensch sich mit der Diagnose „Sie haben MS“ konfrontiert sieht. Die Antwort für die meisten Menschen mit MS lautet „Ja”. Aber das führt natürlich auch dazu, dass man sich nicht sicher ist, ob man dem Arbeitgeber oder den Kollegen überhaupt von der Erkrankung erzählen sollte.

Gründe für die Offenlegung

Es kann einen Zeitpunkt geben, an dem eine Person mit MS eine Reihe von Veränderungen am Arbeitsplatz benötigt, um den Job weiter auszuführen, und deshalb die MS-Erkrankung auch mitteilen muss. Es kann auch dafür notwendig sein, dass die Person bei einem eventuellen Unfall am Arbeitsplatz versichert ist.

Folgende Punkte sollten Sie beachten, bevor Sie Ihre MS-Erkrankung offenlegen:

  • Informieren Sie sich über die Gesetze in Ihrem Land, die auf Anpassungen am Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderungen ausgelegt sind;
  • Denken Sie darüber nach, welche Veränderungen am Arbeitsplatz es Ihnen vereinfachen würden, Ihrer Arbeit weiter nachzugehen;
  • Setzen Sie sich mit Ihrer lokalen MS-Gesellschaft oder anderen Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, in Verbindung und suchen Sie deren Rat.

In vielen Ländern und für die meisten Arbeitsplätze sind die Personen nicht gesetzlich verpflichtet, ihre Erkrankungen oder Diagnosen offenzulegen, um Anpassungen am Arbeitsplatz vornehmen zu können. Einige Arbeitsplätze erfordern ein medizinisches Gutachten, um die Arbeit aufnehmen zu können. Dazu zählen zum Beispiel die Beschäftigung als Pilot einer Fluggesellschaft oder ein Feuerwehrmann. Andernfalls ist die einzige Frage, die ein Arbeitgeber zu Recht über eine Erkrankung oder Behinderung stellen kann, diejenige, die sich auf die Fähigkeit des Arbeitnehmers bezieht, die vereinbarten Arbeiten auszuführen.

Eine gute Strategie, um Ihren Arbeitgeber oder die Kollegen über Ihre MS-Erkrankung zu informieren ist es, die wichtigsten Punkte vorab einzuüben und sich eventuellen Fragen vorab zu stellen. Auf diese Weise findet die Offenlegung vorbereitet, positiv und selbstbewusst statt und nicht in einer „entschuldigenden” Haltung.

Wenn ein Mensch mit MS Anpassungen am Arbeitsplatz erbittet, dann kann er die aktuellen Schwierigkeiten beschreiben und entsprechende Vorschläge einbringen, wie diesen durch angemessene Veränderungen entgegnet werden könnte. Wenn zum Beispiel Erschöpfung ein Problem ist, dann bitten Sie darum, einen Tag in der Woche von Zuhause aus arbeiten zu dürfen oder flexible Arbeitszeiten in Anspruch nehmen zu können, um der Stausituation zu entgehen. Das sind praktische Lösungen, die keine oder kaum Kosten verursachen.

Positiv wäre zu vermerken, dass es in vielen Ländern gesetzlich verboten ist, eine Person, die ihre Erkrankung offengelegt hat, am Arbeitsplatz zu diskriminieren. Darüber hinaus fangen die Arbeitgeber an, die Fähigkeiten, die Menschen mit MS am Arbeitsplatz einbringen, zu bewerten und sich nicht nur auf die Erkrankung oder Behinderung zu konzentrieren.

Wann offenlegen

Der beste Zeitpunkt für die Offenlegung der MSErkrankung ist, bevor dem Arbeitgeber bewusst wird,dass Anpassungen vorgenommen werden müssen und bevor die ersten Probleme in Bezug auf das Arbeitsverhältnis auftreten. Ausfälle bei der Arbeit werden in der Regel eher bemerkt als wenn keine auftreten. Ein proaktiver und positiver Ansatz sollte dabei helfen, negative Reaktionen und emotionelle Stresssituationen zu vermeiden.

Gründe dafür, die MS-Diagnose zu verheimlichen

Es gibt aber genauso gut auch Gründe dafür, eine MS-Diagnose zu verheimlichen. In vielen Fällen wären diese auf Personen anwendbar, deren MSSymptome nicht sichtbar sind. Wenn die MS die eigentliche Arbeit noch nicht beeinträchtigt und noch keine Anpassungen am Arbeitsplatz erforderlich
sind, dann gibt es oft keinen Grund dafür, dem Arbeitgeber oder den Kollegen davon zu erzählen.

In einigen Fällen machen sich Menschen mit MS Sorgen darum, dass ihr Arbeitgeber oder die Kollegen negativ reagieren werden und haben Angst davor, dass die MS ihren Arbeitsplatz gefährdet oder die Beziehung zum Arbeitsplatz beeinflusst, selbst, wenn sie vom Gesetz her geschützt werden.

Auf Arbeitssuche

Es ist in den meisten Fällen sehr viel einfacher, einen Arbeitsplatz zu behalten, als einen neuen zu finden. Aber die Probleme, denen sich eine Person mit MS gegenübergestellt sieht, die auf Arbeitssuche ist, sind denen von anderen Mitarbeitern sehr ähnlich. Für jemanden mit nicht sichtbaren Symptomen gibt es keine gesetzlichen Vorgaben, die MSDiagnose mitzuteilen, es sei denn, ein medizinisches Gutachten würde eingefordert. Für jemanden mit sichtbaren Symptomen ist es auch nicht erforderlich, die Diagnose offenzulegen; vielmehr sollte sich das Gespräch dabei auf die positiven Aspekte konzentrieren, u. A. die Fähigkeiten, die die Person mit MS in die Arbeit einbringen kann. Auch der Umgang mit jedweder Behinderung kann positiv angegangen werden.

Beispiele für Probleme bei der Offenlegung

Carol hat während ihrer gesamten aktiven Arbeitszeit für eine Regierungsbehörde gearbeitet. Carol wurde mit 35 mit MS diagnostiziert und hat ihren Arbeitgeber sofort darüber informiert, da sie einen Monat lang krankgeschrieben wurde. „Ich habe Glück, weil mein Arbeitsplatz durch einen Employment Equity Act (ein kanadisches Gesetz zur positiven Diskriminierung bestimmter Arbeitsnehmer, Anm. d. Üs.) gesichert ist. Sie sind dazu verpflichtet, mich weiter zu beschäftigen.“. „Einige der Menschen in meiner MS- Selbsthilfegruppe haben das nicht. Sie haben Angst davor, ihrem Arbeitgeber von der Diagnose zu erzählen, weil sie fürchten, dann ihren Job zu verlieren.”

Carols MS-Symptome sind nicht sichtbar und die meiste Zeit benötigt sie nur wenig Anpassung. Sie hat jedoch um entsprechende Adaptionen gebeten, und diese wurden ihr auch zugestanden, als sie sich um einen anderen Job innerhalb des Unternehmens beworben hat. Da sie nicht mit einem Stift schreiben konnte, gestattete man ihr, den dreistündigen Test separat am Computer durchzuführen. Carol wurde befördert und leitet jetzt ein Team mit 8 Mitarbeitern.

Sharon hatte ihren ersten MS-Schub mit 18 bei einem Ferienjob im Sommer. „Ich musste den Job aufgeben und nein, ich habe ihnen nicht gesagt, warum.” meint sie dazu. Sharons hat am Arbeitsplatz noch niemandem offen von ihrer MS-Diagnose erzählt, obwohl sie die Tatsache, dass sie MS hat, nicht verheimlicht. Ihr erschien es für die Art von Arbeit, die sie ausführt, nicht wichtig. Sie entschied, dass eine selbstständige und Teilzeit-Arbeit das Beste für sie wäre, insbesondere deshalb, weil sie Alleinerzieherin von drei Töchtern ist.
„Ich habe viele Jahre lang in einem Teilzeit- Arbeitsverhältnis an verschiedenen Universitäten gelehrt und als Selbstständige Texte verfasst und redigiert. Selbst, als ich schon eine Krücke benutzt habe, habe ich den Leuten nicht erzählt, dass ich sie wegen MS benutze”. Ihren letzten Vertrag hatte sie bei einer MS-Gesellschaft, wo sie als Freiwillige tätig gewesen ist. „Meine Symptome wurden immer schlimmer und ich brauchte einen festen Job mit entsprechender Absicherung. Für sie war es kein Problem, dass ich MS habe, das hat also gut funktioniert.”