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Multiple Sklerose: Stammzell­transplantation langfristig erfolgreich

DENVER – Eine autologe Stammzelltherapie könnte die effektivste Behandlung der Multi­plen Sklerose sein. In einer Phase-2-Studie waren fast alle Patienten mit der schub­förmig remittierenden Variante (RRMS) auch fünf Jahre nach der Behandlung noch ohne weiteren Krankheitsschub, wie eine Publikation in Neurology (2017; doi: 10.1212/WNL.0000000000003660) zeigt.

Die Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, bei der T-Zellen die Myelin­schei­den der Neurone im zentralen Nervensystem angreifen. Die dauerhafte Beseitigung der autoreaktiven T-Zellen wäre deshalb ein plausibler Behandlungsansatz. Möglich ist dies durch eine hochdosierte „ablative“ Chemotherapie. Sie tötet allerdings nicht nur die T-Zellen, sondern alle Abwehrzellen sowie andere blutbildenden Zellen des Knochen­marks. Die Patienten können nur überleben, wenn sie im Anschluss an die Chemo­thera­pie eine Stammzelltherapie erhalten. Dabei können Stammzellen verwendet werden, die den Patienten vor der Chemotherapie entnommen und zwischenzeitig tief­gefroren wurden.

Diese Behandlung ist jedoch riskant. Die Chemotherapie ist sehr belastend, und in der Zeit, bis die Stammzellen ein neues Immunsystem etabliert haben, sind die Patienten Krankheitserregern schutzlos ausgeliefert. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Stammzellen nicht in der Lage sind, ein neues blutbildendes Knochenmark zu eta­blie­ren.

Es dauerte deshalb lange, bis die Behandlung bei der Multiplen Sklerose versucht wurde. Erste Erfolge wurden 2005 von Riccardo Saccardi von der Policlinico di Careggi in Florenz und Mitarbeitern gemeldet. Die Behandlung war bei 18 von 19 Patienten erfolgreich, die danach jahrelang ohne neue Läsionen in der Kernspintomographie (MRT) blieben.

Wie gefährlich die Therapie ist, mussten die Organisatoren der HALT-MS-Studie erfah­ren, die das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) nach Publi­kation der italienischen Studie begonnen hatte. Zwei der 24 Patienten erlagen den Kom­plikationen der Behandlung. Ein dritter starb später an einer Progression der RRMS.

Quelle: Ärzteblatt.de, https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/72892 (abgerufen 10.02.2017)