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Hansjörg Hofer wird neuer Behindertenanwalt

Der Wiener Hansjörg Hofer ist zum neuen Behindertenanwalt ernannt worden. Der bisherige Stellvertreter von Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) hat sich gegen 23 Mitbewerber durchgesetzt.

Stöger begründete seine Entscheidung mit der „exzellenten Qualifikation“ und der Erfahrung Hofers in diesem Bereich. Von den insgesamt 24 Bewerbern, acht Frauen und 16 Männern, wurden sechs Personen zum Hearing in die Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR) geladen.

Diese sechs Kandidaten wurden zwar bewertet, es wurde aber kein Ranking vorgenommen. Allerdings wurden drei Bewerber als in höchstem Maße qualifiziert eingestuft und Stöger hat nun aus diesem Personenkreis Hofer ausgewählt.

Integrations-Experte

Der 57-jährige gilt als anerkannter Experte im Bereich der beruflichen und gesellschaftlichen Integration von Menschen mit Behinderungen. Als dessen Stellvertreter hat Hofer in den vergangen Jahren insgesamt sieben Monate lang den damaligen Behindertenanwalt Buchinger bereits vertreten, etwa während dessen Vaterkarenz.

Im Sozialministerium hat er bereits als Gruppenleiter, Abteilungsleiter und stellvertretender Sektionsleiter der Fachsektion Pflegevorsorge, Behinderten-, Versorgungs- und Sozialhilfeangelegenheiten gearbeitet.

Hofer will „nicht den Mund halten“

Hofer will sein Amt durchaus laut anlegen. Er werde bei Missständen nicht schweigen. Wenn es nötig sei, werde er in der Öffentlichkeit wirken und „nicht den Mund halten“, kündigte Hofer, der das Amt als erster Nicht-Politiker nach den beiden Ministern Herbert Haupt (FPÖ) und Erwin Buchinger (SPÖ) antritt, an.

Als Schwerpunkte seiner Arbeit, die er am heutigen europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung antritt, nannte Hofer die Barrierefreiheit, Bildung und Beschäftigung.

Barrierefreiheit versteht er dabei nicht nur im baulichen Sinne, sondern umfassend auch im sozialen oder kommunikativen Bereich. Bildung ist für Hofer eine Voraussetzung, um im Berufsleben erfolgreich sein zu können. Das gelte für Menschen mit Behinderung noch mehr als für andere, weil diese ihre Behinderung kompensieren müssten.

Gleiche Jobchancen für Behinderte

Beim Thema Beschäftigung geht es Hofer vor allem darum, Menschen mit Behinderung möglichst gleiche Teilhabechancen zu geben. Das System der Ausgleichstaxen, die Unternehmen zahlen müssen, wenn sie nicht genug Behinderte einstellen, hat sich für den Behindertenanwalt zwar „einigermaßen bewährt“. Die Taxen hält er aber für zu gering. Er plädiert hier für eine deutliche Erhöhung, ohne aber eine konkrete Zahl zu nennen.

Gleichzeitig tritt Hofer aber auch für ein Anreizsystem ein. Unternehmen, die mehr tun, könnten für eine gewisse Zeit einen finanziellen Bonus bekommen. Um dies zu finanzieren, kann sich Hofer mehr Steuermittel oder eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage vorstellen.

Gratulation auch vom Konkurrenten

Gratuliert haben Hansjörg Hofer nicht nur die SPÖ- und FPÖ-Sprecher für Behinderte, Ulrike Königsberger-Ludwig und Norbert Hofer, sondern auch ÖVP-Sprecher Franz Joseph Huainigg, der sich selbst um den Posten beworben hat und nach dem Hearing der Dachorganisation der Behindertenverbände (ÖAR) einer der drei Kandidaten war, die als „in höchstem Ausmaß geeignet“ und gleich qualifiziert eingestuft worden ist. Huainigg meinte, es würde ihn freuen, wenn Hofer die eine oder andere Idee aus seinem Konzept umsetzen würde.

Quelle: orf.at / 08.05.2017